Montag, Juni 14, 2021

Es tut dir alles weh, obwohl du dich nicht verletzt hast … Teil 3

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Es tut dir alles weh, obwohl du dich nicht verletzt hast … Teil 3

Im Alter stellt man bei ihr Multiple Sklerose fest. Studien zufolge ist diese entzündliche Erkrankung des Nervensystems ein Auflehnen des Körpers gegen den eisernen Willen, sich mental nicht unterkriegen zu lassen. „Es tut Dir alles weh, obwohl du dich nicht verletzt hast“, beschreibt sie ihre Symptome. Wieviel mehr hinter diesen Worten steckt, wird einem bewußt, wenn sie über ihren Sohn nachdenkt: „Andi ist auch keiner, der sich hängenlässt. Der Kontakt zu ihm ist eingeschränkt, weil er ein Problem mit mir hat. Beim letzten Treffen hat er sich aber gefreut. Nicht so, wie man meint – aber wenn er mir die Hand gibt, dann weiß ich scho wie er es moant. Wir sind halt so.“ Übel nimmt sie ihm sein Verhalten nicht. „Das bin ich nicht. Ich kann verzeihen. Ich liebe ihn.“

Ihr Blick scheint bei diesen Worten ins Leere gerichtet zu sein, vertieft sich dann aber in ihr Gegenüber. „Und Sie – was sind Sie eigentlich für`n Planet?“ „Sie wollen mein Sternzeichen wissen?“ erwidere ich leicht überrascht. „Ja“, antwortet sie. „Ich bin Widder“, gebe ich zu. „Widder sind a bisserl schwierig. Empfindlich eben. Und Angeber. Vor allen Dingen sind sie raffiniert. Das sieht man ja schon daran, dass Sie in der Lage sind, stundenlang nett zu mir zu sein“, beendet M. Walz ihre Kurzeinschätzung. Die Frau, die früher von den Männern geliebt und den Frauen gehasst wurde, kennt heute – nach eigener Aussage – nur Weiber. „Ich kenn soviel Leut, weil ich alle angequatscht habe. So überheblich war ich nie, dass ich das nicht getan hätte. Nur mit Namen hatte ich immer Probleme. Ich red halt alle mit Du an.“ Mit DU wurden von ihr Skistars wie Sepp Folger oder Markus Wasmeier angesprochen. Selbst bei Franz Beckenbauer, Paul Breitner und dem Schauspieler Henning Baum verzichtete sie auf die förmliche Anrede.

Rückblickend gibt es für Maria Walz nichts, was sie in ihrem Leben hätte anders machen können. „So war das eben. So ist das Leben. Schlimm ist nur, wenn ich 90 werde – so alt will ich nicht werden. Das Einzige ist – und da können Sie noch so hübsch sein – Sie werden auch alt“, sagt sie wissend – und ein Lächeln huscht über ihre Lippen.

Der Papyrer ist heute geschlossen. Die Räume, einst voller Leben, stehen seit nunmehr über einem Jahr leer. Nichts bleibt ewig. In einem Raum mit Maria Walz zweifelt man an dieser Aussage. THE ENTE.

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