Montag, Juni 14, 2021

Hairstyle day mit Roselin

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Hairstyle day mit Roselin

Sonntagvormittag. Die Sonne brennt. Die Waffeln schmoren im Eisen. Kinderzähne beißen sich in Gummibärchen fest. Ungestylte Kinderköpfe warten auf Roselin. Es ist 10:00 Uhr. Aus afrikanischem Zeitgefühl heraus vermutlich noch kein Grund zur Panik. Ich dagegen versuche, die aufkeimende Unruhe zu ignorieren. Mein Handy vibriert mit vertrauter Magnum-Theme-Sound-Untermalung. „Hi, this is Roselin speaking. I can`t find you.”
“No problem. I`ll pick you up.” Ich fange Roselin mit ihrer Tochter am Straßenrand ab und fahre voraus. Sie folgt per Radl.

Vor den Augen erwartungsvoller Kinder zaubert Roselin braune und schwarze Haarsträhnen aus ihrer Tasche. „Who is first?“ will sie wissen. Die Mütter auf meiner Terrasse deuten ihren Kindern an, den Anfang zu machen. Ein Mädchen mit schulterlangem, glatten Haar entscheidet sich für fünf geflochtene Zöpfe, die sich nach Roselins Handbearbeitung mit leichter Krümmung um die linke Gesichtshälfte legen. Roselin verlangt nach Feuer. Ein Raunen geht durch die Müttermenge. Aber Roselin versiegelt nur die Enden der Haarsträhne. Dem Kind – kurz vor Aktivierung der Tränenproduktion – bringt man schonend bei, dass die künstlichen Haare abgefackelt werden, und nicht die eigenen. Auf einmal höre ich meine Tochter weinen. „Sie gibt mir das einfach nicht wieder.“ Ich hake nach: „Was gibt sie dir nicht wieder?“ „Na, mein Spielzeug-Handy“, schluchzt meine Tochter. „ Und wer, bitte schön?“ „Anu!“

Anu ist Roselins Tochter. „Sag ihr, dass du das nicht willst. Du musst NO rufen, sonst versteht sie dich nicht“, erkläre ich ihr. Aus dem Kinderzimmer ertönt daraufhin ein fünfminütiger NO-Ton. Ich greife ein. „Anu – this handy belongs to Leni. Please take something different.“ Anu strahlt mich an und rennt lachend an mir vorbei in Richtung Garten. Nach drei Runden, in denen ich mich fühle wie eine Gazelle in der afrikanischen Savanne, erwische ich sie am Arm und entreisse ihr die Beute. Was für ein Triumph!

Das Wort Pause hat an diesem Tag keine Bedeutung. Der Haarflecht-Stützpunkt verlangt umgehend nach Verpflegung. Ich schiebe Kaltgetränke, Kaffee und Hugo nach und stelle fest, dass die Simultan-Übersetzung wieder flutscht. Nach vier Stunden und fünf Kindern sehne ich mich nach sonntäglicher Ruhe. Doch noch ist der letzte Kopf nicht frisiert.
Die Haare von Kind Nummer sechs fallen tief in den Lendenbereich. „Ich will die gleiche Frisur wie Anu.“ Ich blicke auf den lachenden kleinen Wiesel zu meiner Linken. Der komplette Kopf ein Meisterwerk geflochtener Zopfkunst, für das man auf Nachfrage ungefähr weitere vier bis fünf Stunden benötigt.

Ich atme tief durch und bin dann mal weg.

The EnTe

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