Montag, Juni 14, 2021

Ein Stück vom Himmel

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Ein Stück vom Himmel

September 2012.

Abgehoben ist Hans Langner nur für andere. Der 48jährige Multimediakünstler, genannt Birdman, ist ein Kind geblieben, das seinen Träumen mit spielerischer Leichtigkeit Flügel verleiht, damit sie in seiner großen bunten Kinderwelt landen können. Während seine Ungeduld ihn früher ausgebremst hat, ist es heute seine Gelassenheit, die die Rollbahn freimacht und damit den Weg nach oben beschleunigt.

Die Spielwiese des Künstlers ist ein abgelegenes Häuschen mitten im Grünen. Ein Seerosenteich samt Libellen vervollständigt das Bild einer Idylle. Man blickt auf eine mit schwarzen und bunten Vögeln bemalte Bühne, dessen Hauptdarsteller vom Betrachter einen Perspektivwechsel verlangt. Man sieht und nimmt Vögel in allen Facetten wahr.
Klar und einfach sind sie, auf das Wesentliche beschränkt.

„Darin liegt die Kraft des Lebens und der Kunst“, sagt Langner. Diese Erkenntnis habe ihn das Haus gelehrt. Beim Gang in die oberste Etage fällt der Blick auf einen blau gemalten Himmel mit weißen Vogel-Wolken. An der Wand hängt der Panzer einer Sumpfschildkröte. Ein Drachenkopf schmückt das Ende seines Treppengeländers. Auf dem Holztisch liegt eine Tischdecke aus Moos, das seine grüne Zeit bereits hinter sich gebracht hat.

Inmitten dieser Komposition steht Hans Langner. Sein kurz geschnittenes Haar hat stellenweise bereits seine natürliche Farbe verloren, und sein weißes Hemd und die graue Stoffhose betonen bewusst die Konturen seines schmalen Körpers. Er wirkt wie ein dünner Baum, der so aussieht, als wäre er leicht zu fällen. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass er tief in der Realität verwurzelt ist und deshalb einen festen Stand im Leben hat.

Gerade diese scheinbare Unauffälligkeit ist es, die ihn zum eigentlichen Kunstwerk in seinem Haus macht. Ein Bild, das einen nicht loslässt, weil es etwas ausstrahlt, das man sofort ergründen möchte.

Hans Langner wirkt zufrieden. Ich sitze mit ihm auf der Holzbank vor seinem Haus. Er gießt uns ein Glas klares Leitungswasser ein. Beim Trinken schüttet er sich versehentlich ein paar Tropfen der kühlen Flüssigkeit auf die Hose. Er lacht wie ein Kind, das sich bei seiner Ausgelassenheit ertappt fühlt und seine ansonsten tiefe Stimme bekommt eine deutlich höhere Klangfarbe, während er sein Lebensmotto zitiert: „Nimm`s leicht und leicht hast du`s.”

(… Fortsetzung folgt)

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