Donnerstag, Oktober 17, 2019

Dolly und Molli – Ein Pärchen mit mörderischem Hobby

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Dolly und Molli – Ein Pärchen mit mörderischem Hobby

Helmut “Molli” Stüber mit seiner Frau Delores “Dolli”


In Kreuth führt ein Zufluss in die Weißach, der Riedlerner Graben. Im Sommer, wenn das Unterholz den Wald besonders dunkel erscheinen lässt, verschwindet der steile Weg dorthin nahezu im Dickicht. Dann liegt eine gespenstische Ruhe in der Luft.

Auf einmal knackt Reisig. Eine männliche Person bahnt sich durchs Gestrüpp: Es ist Helmut Stüber. Der Selfmade-Detektiv verfolgt eine Fährte, die bislang nur in seinem Kopf existiert: Irgendwo tief im Wald, so ist er überzeugt, muss es eine Höhle geben. Kurze Zeit später findet er tatsächlich eine winzige Grotte im steinigen Fels. Sie wird Teil einer Geschichte voller Ungereimtheiten und glänzender Entdeckungen.

Das ist Helmut Stüber. Ein Selfmade-Detektiv

Helmut Stüber ist 69 Jahre alt. Sein Leben lang hatte er mit AutoS zu tun. Jetzt ist er ein AutoR und schreibt Krimis. Drei hat er bereits veröffentlicht. Sie alle haben mit Kreuth zu tun. Im Kreuther Testament geht es um einen Mord, der vielleicht wirklich passiert ist? In Das Kreuther Faltboot wird das Leben zweier junger Freizeittaucher komplett auf den Kopf gestellt. In Der Kreuther Traum entdeckt Stübers Protagonist eine Villa in Kreuth, verliebt sich in die Hausherrin und gerät mit ihr in ein nervenaufreibendes Abenteuer.

Die Idee zu seinem neuesten Buch – das mit der Höhle –  sei ihm spontan am Frühstückstisch eingefallen, sagt Helmut Stüber, und seine Lachfalten bilden wie auf Kommando einen Halbkreis um seine Augen. Seit über 13 Jahren wohnen er und seine Frau Delores in Kreuth. Im Gasthaus Göttfried begrüßt man „Dolly und Molli“, so nennt man das Ehepaar hier, wie alte Bekannte und stellt ihnen zwei Krapfen auf den Tisch. Jetzt im Rentenalter habe er Zeit, sich dem Schreiben zu widmen, erklärt der Selfmade-Detektiv, bevor er mit ruhiger Stimme fortfährt: „Dolly und ich haben viel erlebt. Natürlich fließen unsere Erlebnisse in meine Krimis mit ein.“

So wie im aktuellen „Kreuther Urlaub“. „Dolly hasst es beispielsweise, mit dem Aufzug zu fahren“, verrät der Krimiautor. Nichts liegt also näher, als seiner weiblichen Hauptperson dieses Gefühl auf den Leib zu schreiben. Und so bekommt seine Romanfigur, in der Gondel sitzend, auf dem Weg zum Wallberg ähnliche Beklemmungen. Als während der Fahrt plötzlich ein Schuss fällt, ist Stübers Fahrstuhlphobikerin unfähig, einen Blick nach unten zu riskieren.

Auch zu den Katzen, die in einem neuen Roman eine Rolle spielen, gibt es eine Geschichte: Delores machte Urlaub auf einem Bauernhof in Berchtesgaden. Dort gab es einen Wurf kleiner Katzen. Dolly verliebt sich in einen Kater und fragt beim Bauern nach, ob sie ihn vielleicht mitnehmen dürfe. Und so macht man sich schließlich zu dritt auf den Heimweg. Doch die Rückfahrt entpuppt sich als Zerreißprobe für die Ohren. Unentwegt schreit der kleine Kater. Nach etwa einer Stunde bemerkt Delores, dass sie ihre Handtasche vergessen hat. Man beschließt, umzukehren. Ein Wink des Schicksals? Sollte der kleine Kater vielleicht zu seiner Familie zurückkehren? Denn noch immer miaut er herzzerreißend auf dem Rücksitz. Das ändert sich jedoch schlagartig, als man in den Bauernhof einfährt. Just in diesem Moment schläft der kleine Kater seelenruhig.

Glück ist Liebe

Nicht das einzige Glück, das Dolly und Molli hatten. Das wohl größte war, als sich die Beiden vor 45 Jahren kennenlernten. „Wir sind Leute schneller Entscheidungen“, lacht Delores. Ihre Liebe hat alle Höhen und so manche Tiefen überstanden. Beide sind im Zeichen der Jungfrau geboren und können sich aufeinander verlassen. Sie lieben Gesellschaft und quatschen, wenn es sein muss, mit Gott und der Welt. Delores ist es, die Helmuts Krimis entweder absegnet oder den Zeigefinger hebt, wenn ihr hier und da im Skript etwas unlogisch erscheint, oder ein falscher Ausdruck verwendet wird. Inhaltlich kritisiert sie nichts. „Es ist ja Helmuts Fantasie“, sagt sie und schwelgt kurz darauf in ihrer eigenen Traumwelt: „Wir waren oft unterwegs. In Deutschland haben wir uns schon alles angeschaut. Und in Amerika waren wir ganze sechs Wochen mit dem Wohnmobil unterwegs. In den USA, North Dakota, Las Vegas…. “

Privat wie beruflich spielte sich Helmut Stübers Leben auf der Straße ab. Ständig war er irgendwo anders. Erst hatte er eine Autowerkstatt, dann handelte er mit Autokühlern, später unterrichtete er Kinder, vertrieb Zahnarzt-Produkte oder rettete verloren gegangene Daten im Computer. Seine Kunden hatten – dank ihm – am Ende immer das Glück, dass kaputte Dinge gerettet wurden. Ebenso wie Helmut Stübers Romanhelden am Ende immer Glück haben. Es ist der Glaube an das Gute, der ihn inspiriert.

Mit GUNA geht’s auch

„Wir lassen so wenig wie möglich Negatives an uns heran“, sagt Dolly. Man habe jetzt ein Alter erreicht, wo man die ganzen schlimmen Nachrichten, die im Fernsehen oder im Radio zu hören sind, mit einem Wort ausblenden wolle: GUNA – das Geht Uns Nichts An. „Wir waren immer vielseitig interessiert“, ergänzt Molli, nun habe man „genug gekämpft“ und wolle der jüngeren Generation den Vortritt lassen. Wenn allerdings ein Mann am Straßenrand stünde, der friert oder bettelt, würde man nicht mit GUNA vorbeigehen. „Sowas würden wir heute genauso wenig ignorieren wie früher“, sagt Molli nachdenklich. Deshalb lieben beide das Bockpaschen, das man alle zwei Jahre nicht nur im Gasthaus Göttfried spielt. Bockpaschen ist ein altes, bayerisches Würfelspiel, bei dem jeder Spieler einen Einsatz bezahlt, und von dem am Ende die Bedürftigen profitieren.

Und so geht’s: Drei Würfel werden mit einem Becher auf eine Unterlage geschüttet und die Punkte gezählt. Drei Wurf ergeben ein „Standl“. Ab 43 Punkten gibt es einen Preis. Bei einem „Standl“ können maximal 52 Punkte erzielt werden. Der Spieler, der die höchste Punktzahl während der dreiwöchigen Spieldauer erreicht, bekommt als Hauptpreis einen lebenden Schafbock. Der „Schneiderpreis“ – ein lebender Stallhase – geht an denjenigen, der die wenigsten Punkte hat. Mit dem Geld, das in dieser Zeit eingenommen wird, kümmert man sich anschließend um die älteren Leute im Dorf und geht zum Beispiel mit ihnen einkaufen. Eine Spende soll Sinn machen, finden Dolly und Molli. Und genau deswegen machen sie beim Bockpaschen mit. Was aber, wenn der persönliche Einsatz beim Krimischreiben eine viel größere Menge Geld bringt? Was, wenn Helmuts Bücher eines Tages die Frankfurter Buchmesse sprengen? Molli lacht. „Ich glaube, wir würden Herzenswünsche von Kindern erfüllen und einen relativ großen Teil spenden.“

Unter Helmut Stübers Augenbrauen, die fast an die buschigen Bögen Theo Waigels herankommen, blitzt es kurz in den dunkelbraunen Augen auf. „Würden wir“, nickt der Selfmade-Detektiv und Autor. „Aber auch, wenn meine Bücher keinen Erfolg haben – was ich mir wünsche, ist Zufriedenheit und Gesundheit. Und dass Dolly mit dem Rauchen aufhört.“ Delores rückt ihre Brille zurecht. „Ach Schatz, das ist doch Quatsch!“ Sie nimmt ihre Zigarettenschachtel, zieht ihre Jacke an und verschwindet nach draußen. Zurück bleibt ein Mann, dessen Stirn eine graue Welle preisgibt, die so unbeständig ist wie das Leben selbst. Wieder bilden Lachfalten einen Halbkreis um seine Augen. Er ist bereit. Fürs nächste Abenteuer. Und für den nächsten Wirbel, der mit Sicherheit auf ihn zukommen wird!

Comments on "Dolly und Molli – Ein Pärchen mit mörderischem Hobby"

One comment

  1. Joa chim

    Ja so sind die beiden, vortrefflich beschrieben, grüße
    irmi und Joachim

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