Sonntag, November 19, 2017

Mr. Goldman, it`s your turn!

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Mr. Goldman, it`s your turn!

Manche mögen über die nachfolgenden Zeilen verwirrt sein. Aber diejenigen, die die Geschichte von wahrer Liebe und edlen Abenteuern gelesen haben, wissen, wovon ich spreche.

(…) Ich glaube, ich hatte vergessen, zu erwähnen, dass das erste Kapitel der Fortsetzung von William Goldmans Brautprinzessin zufällig in derselben Ausgabe war, die ich 2013 geschenkt bekam. Sie haben richtig gelesen. Nur das erste Kapitel. Verzweifelt suchte ich nach dem Rest. Vermutlich hatte Goldman auch hier ein paar Kürzungen und Überarbeitungen an S. Morgensterns Erzählung vorgenommen. Und es war meine ehrenvolle Absicht, das herauszufinden.

Die unvollendete Fortsetzung der Geschichte der wunderschönen Butterblume und dem Stalljungen Westley, der unsterblich in sie verliebt ist, wollte ich so nicht akzeptieren. Da bin ich ganz Misery-Fan Annie Wilkes. Also tat ich mein Bestes.

Zuerst schrieb ich an Goldman, dass er mir unbedingt den kompletten Fortsetzungsroman schicken müsse, und das möglichst zügig. Schließlich ginge es um Leben und Tod.

Ich fand, diese beiden Schlagwörter machten die ganze Angelegenheit nun wirklich dringend und rechtfertigten meine Eile. Schließlich weiß niemand, wieviele Jahre man hier noch durchzustehen hat – gerade, wenn einem die Krampfadern sowieso schon bis zum Hals stehen. Wir sind uns also einig, dass man diese Welt nicht einfach verlassen kann, ohne die Fortsetzung der Brautprinzessin wenigstens einmal in seinen Händen gehalten zu haben.

Keine Antwort von Goldman.

Zu seiner Entschuldigung wog ich mich in dem Glauben, dass er seine Briefe vermutlich überhaupt nicht mehr lesen kann und – nötig …? Welche Notwendigkeit bestand bei seiner Popularität, auf Einzelschicksale einzugehen? Innerlich appellierte ich an seine bessere Hälfte. Fehler von mir. Helen. Bestimmt hatte sie meinen Brief abgefangen. Starlets wittert sie ja meilenweit.

Also schrieb ich an den Harcourt-Verlag. Jammerte, bettelte. Beschwor, dass ich abstürzen würde in die „tiefe Sünde der Verzweiflung“. Ja, und ich setzte sogar noch einen drauf. Meine Welt würde explodieren, wenn ich nicht bald die Fortsetzung der Brautprinzessin in mich einsaugen könne. Ein gewisser Kermit Shog erklärte mir dann irgendetwas von jahrelangem Rechtsstreit und verwies mich an Stephen King.

Was ich dem dann auftischte, waren verdammt glaubwürdige Horrorgeschichten über meinen Seelenschmerz. Damit will ich aber niemanden belasten, also kürze ich an dieser Stelle. Nur soviel – ich zittere noch immer vor Grausamkeit wie eine am Elektrozaun hängengebliebene Stechmücke.

Stephen fand nämlich sein Vergnügen darin, mich zu quälen. Während ich auf ein Zeichen von ihm wartete, durchlebten meine Synapsen wahre Fluten ausgeschütteter Reizstoffe. Ich zuckte krampfhaft zusammen und blieb dann liegen. Keine Antwort vom Meister des Horrors. Nach einiger Zeit überkam mich das gierige Verlangen, ihm seine Zähne einzeln die Speiseröhre entlang zu schieben.

Ich ging also bis zum Äußersten, nahm Ablehnung, Erniedrigung, Zeit und emotionalen Schmerz in Kauf, nur, um Goldman dazu zu bewegen, sich lang zu fassen und weiterzuschreiben. Und um die Welt mit seiner Fortsetzung zu vervollständigen. Doch weder ihn noch King berührten meine aus der Verzweiflung heraus aggressiv in den Computer gehackten Worte. Er ließ sich nicht beeindrucken. Bis heute existiert nur das erste Kapitel.

Wie aber kann Goldman es zulassen, dass die Geschichte über wahre Liebe und edle Abenteuer unvollendet bleibt? Wie sagte er so schön? „Die Liebe ist die beste Sache der Welt, ausgenommen Hustenbonbons.“ Aber, und das wusste er auch: „Das Leben ist nicht gerecht.“

Es ist ganz und gar nicht gerecht, Mr. Goldman! Überhaupt nicht. Trotzdem Danke. Wenn die Story von wahrer Liebe noch nicht zuende ist, dann bleibt die Hoffnung, dass sie eines Tages fortgesetzt wird. Und dann finden wir sie. Ganz bestimmt. Damit wir dieses Kapitel endlich abschließen können.

Eins noch, Mr. Goldman – wo, verdammt, kaufen Sie Ihre Hustenbonbons?!

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